Spezielle Abklärung

Weddellit
Kalziumoxalat-Dihydrat-(Weddellit-) Harnstein

Wenn bekannt ist, dass ein Harnstein aus Kalziumoxalat besteht, muss eine spezielle Abklärung der Bildungsursachen erfolgen. Über die beiden erwähnten Formen des Kalziumoxalat – Weddellit und Whewellit- ist bisher wenig bekannt, was bei einer speziellen Abklärung berücksichtigt werden muss. Deshalb soll hier nur auf einige äußere Merkmale dieser Steinarten hingewiesen werden. Im Anschluss daran wird allgemein von Kalziumoxalatsteinen gesprochen.

Weddellitsteinesind sehr bizarr, bleiben häufig im Harntrakt stecken und können dadurch starke Koliken auslösen. Auch kann bei dieser Form des Kalziumoxalates schnell ein neuer Stein entstehen.

Whewellitsteine haben meist eine glatte Oberfläche, können auch maulbeerförmig aussehen und sind sehr hart. Sie können im Körper auch aus Weddellitsteinen durch Umwandlung entstehen.

Da die Ursachen für die Entstehung von Kalziumoxalatsteinen sehr vielfältig sein können, sind auch verschiedene Arten der Abklärung erforderlich. Zunächst wird im Harn nach einer vermehrten Ausscheidung von Kalzium, Oxalsäure und Harnsäure gesucht, um dann die Ursachen hierfür näher abzuklären.

Whewellit
Kalziumoxalat-Monohydrat-(Whewellit-) Harnstein

Vermehrte Ausscheidung von Kalzium

Eine erhöhte Kalziumausscheidung im 24-Stunden-Sammelharn liegt vor, wenn 200 mg (5 mmol) oder mehr Kalzium im Tagesharn ausgeschieden werden. Mögliche Ursachen hierfür werden im folgenden angeführt.

Erhöhte Aufnahme von Kalzium mit der Nahrung

Während die Empfehlung für die tägliche Aufnahme von Kalzium mit der Nahrung 800 mg beträgt, kann durch Zufuhr kalziumreicher Produkte die Aufnahme von Kalzium um vieles höher liegen. Nahezu in allen Nahrungsmitteln ist Kalzium in sehr unterschiedlichen Mengen enthalten. Besonders kalziumreiche Stoffe sind Milch- und Milchprodukte.
Durch genaues Aufschreiben der Speisen in Form eines Tagesprotokolls kann der Nährstoffgehalt eines Tages genau berechnet werden.

Beispiel für ein Tagesprotokoll der Ernährung:

Datum: 24.9.2009

Menge

Genaue Bezeichnung des Lebensmittels und Getränks

Frühstück

1

Mohnbrötchen

 

1 Teelöffel

Sauerrahmbutter

 

1 Scheibe

Gauda (45% Fett)

 

1

Hühnerei, weich gekocht

 

2 Tassen

Koffeinhaltigen Kaffee

 

2 Teelöffel

Zucker

 

2 Teelöffel

Kondensmilch(7,5% Fett)

Zwischenmahlzeit

1

Erdbeerjoghurt, 3,5% Fett (150g)

 

1

Mittelgroßer Apfel, ungeschält

Mittagessen (Kantine)

1 Tasse

Tomatensuppe

 

150g

Schweineschnitzel, mager, paniert

 

2 Stck.

Kartoffeln, gekocht (eigroß)

 

4 Eßlöffel

Erbsen und Möhren (aus der Dose)

 

2

Pfirsichhälften (aus der Dose)

 

2 Gläser

Gerolsteiner Sprudel

Zwischenmahlzeit

1Stck

Pflaumenkuchen(Hefeteig)

 

2 Tassen

Kaffee, koffeinfrei, ohne Milch und Zucker

Abendessen

1 Scheibe

Schwarzbrot

 

1 Scheibe

Roggenmischbrot

 

2 Teelöffel

Sonnenblumenmargarine

 

2 Scheiben

Salami

 

60g

Camembert (60%)

 

2 Tassen

Pfefferminztee

Spätmahlzeit

1 Flasche

Light – Bier (0,5 Liter)

 

1 Glas

Wein (0,2)

 

3 Stck.

Gebäck

Vermehrte Aufnahme von Kalzium über den Darm

Durch Veränderung der Darmfunktion kann mehr Kalzium aus der Nahrung aufgenommen werden als der Körper benötigt. Dieser Überschuss wird dann über den Harn ausgeschieden. Ob eine solche Fehlfunktion des Darmes vorliegt, kann überprüft werden, indem nach 12stündigen nächtlichen Fasten der Morgenharn auf Kalzium untersucht wird. Durch die Fastenperiode ist der Einfluss der Nahrung ausgeschaltet, und  die Kalziumausscheidung überschreitet dann einen bestimmten, normalen Wert nicht.

Erhöhte Kalziumausscheidung im Harn durch Knochenabbau

Durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse wird ein Hormon (Parathormon) vermehrt an den Körper abgegeben. Dieses Hormon reguliert zusammen mit Vitamin D den Knochenstoffwechsel. Eine Erhöhung des Parathormons im Körper führt zur Erhöhung des Kalziumgehaltes im Blut (über 2,5 mmol/l). Der erhöhte Parathormonspiegel im Blut kann durch eine spezielle Bestimmung gemessen werden. Ob eine solche Fehlregulierung vorliegt, kann indirekt ebenfalls über die Kalziumausscheidung im Harn nach einer 12stündigen nächtlichen Fastenperiode geprüft werden. Ist dieser Kalziumwert erhöht, so kann eine Veränderung des Knochenstoffwechsels vorliegen. In den meisten Fällen ist eine der vier Nebenschilddrüsen erkrankt. Wie der Name sagt, liegen diese direkt neben der Schilddrüse am Hals. Bei der Operation wird die erkrankte Nebenschilddrüse entfernt. Danach kommt es meist sehr rasch zu einer Normalisierung des Kalziumspiegels im Blut und zu einer Senkung der Kalziumausscheidung im Harn.

Erhöhte Kalziumausscheidung im Harn durch Fehlfunktion der Niere

Über die Niere wird normalerweise nur das überschüssige, für den Körper nicht mehr notwendige Kalzium ausgeschieden. Durch eine Fehlfunktionsstörung der Niere ist es möglich, dass vermehrt Kalzium abgegeben wird. Ob eine solche Veränderung vorliegt, kann gemessen werden, indem nach 12stündigen nächtlichem Fasten der Kalziumwert im Harn bestimmt wird. Bei einer vorliegenden Fehlfunktion der Niere ist dieser Wert erhöht. Jedoch liegt dann keine Überfunktion der Nebenschilddrüse vor.

Erhöhte Kalziumausscheidung im Harn bei gleichzeitig ungenügender Harnsäuerung (renale tubuläre Azidose- RTA)

Bei bestimmten Schädigungen der Nierenkanälchen kann der Harn nicht mehr genügend angesäuert werden. Damit ist meist eine vermehrte Kalziumausscheidung im Harn verbunden. Man spricht von einer renalen tubulären Azidose, die durch Anwendung des Ammoniumchlorid - Belastungstests bestimmt werden kann.

  • Eine erhöhte Ausscheidung von Kalzium im Harn begünstigt die Entstehung von Steinen.
  • Überprüfen Sie anhand eigener Tagesprotokolle Ihre Aufnahme von Kalzium mit den Nahrungsmitteln.
  • Ihre tägliche Kalziumaufnahme sollte 600 – 800 mg betragen.
  • Mit verschiedenen, vom Arzt durchzuführenden Untersuchungen können die Ursachen der vermehrten Kalziumausscheidung ermittelt werden.

Vermehrte Ausscheidung von Oxalsäure

Für die Bildung von Kalziumoxalatsteinen ist die Oxalsäure ein besonderes wesentlicher Faktor. Bereits eine geringe Steigerung der Ausscheidung von Oxalsäure im Harn kann eine Harnsteinbildung verursachen. Die Oxalsäureausscheidung ist erhöht, wenn por Tag mehr als 45 mg. Oxalsäure – das entspricht 0,5 mmol – ausgeschieden werden.
Die Bestimmung von Oxalsäure im Harn kann heute in jedem gut ausgerüsteten Labor durchgeführt werden. Als mögliche Ursache einer vermehrten Oxalsäureausscheidung kommen folgende Faktoren in Betracht:

Erhöhte Aufnahme von Oxalsäure mit der Nahrung

Oxalsäure ist in vielen pflanzlichen Produkten enthalten. Nur wenige Produkte enthalten extrem hohe Werte und sollten daher von Steinpatienten nicht gegessen werden. Nach der Anfertigung eines Ernährungs-Tagesprotokoll kann die Menge der Oxalsäure unter Verwendung der Tabellen berechnet werden.

Vermehrte Aufnahme von Oxalsäure über den Darm

Die normale Oxalsäureaufnahme über den Darm kann durch Darmerkrankungen derart verändert werden, dass vermehrt Oxalsäure in den Körper aufgenommen wird. Normalerweise wird ein Tweil der Oxalsäure im Darm an Kalzium gebunden und als schwerlösliches Kalziumoxalat mit dem Stuhl ausgeschieden. Wenn die Kalzium- Zufuhr in Form von Milch und Milchprodukten so gering ist, dass der Darm kein Kalzium zur Bindung der Oxalsäure zur Verfügung steht, kann daher eine vermehrte Oxalsäureaufnahme aus der Nahrung stattfinden. Eine erhöhte Aufnahme von Oxalsäure über den Darm kann aber auch hervorgerufen werden, wenn z.B bei entzündlichen Darmerkrankungen ein Abschnitt des Darmes operativ entfernt werden musste. Da der menschliche Körper Oxalsäure nicht benötigt,wird die durch die Nahrung aufgenommene Oxalsäure über den Harn wieder vollständig ausgeschieden.

Erhöhte Bildung von Oxalsäure im Körper

Ein grosser Teil der im Harn ausgeschiedenen Oxalsäure wird als Abfallprodukt des Stoffwechsels im Körper gebildet. Durch die Veränderung des Stoffwechsels kann es zu einer krankhaften Überproduktion kommen, deren Ursachen im Einzelnen noch unbekannt sind. Sehr selten ist eine erhöhte, möglicherweise zu schweren Schäden führende Bildung von Oxalsäure im Körper angeboren.

  • Eine erhöhte Oxalsäureausscheidung im Harn ist ein grosses Risiko hinsichtlich der Bildung von Kalziumoxalatsteinen. Achten Sie darauf, dass Sie keine Nahrungsmittel mit hohem Oxalsäuregehalt aufnehmen.

Vermehrte Ausscheidung von Harnsäure

Harnsäure kann die Kristallistation von Kalziumoxalat begünstigen. Sind Kalziumoxalatsteine vorhanden, ist es daher wichtig, darauf zu achten, ob die Harnsäureausscheidung erhöht ist. Bei vielen Patienten, die an Kalziumoxalatsteinen leiden, wird im Körper vermehrt Harnsäure gebildet, und im Blut und Harn kann eine erhöhte Harnsäurekonzentration festgestellt werden. Häufig ist dafür ein hoher Fleischkonsum verantwortlich. Durch Anwendung eines Harnsäure – Belastungstests kann überprüft werden, ob der Harnsäure – Stoffwechsel verändert ist.

  • Ein erhöhter Harnsäurewert im Blut und Harn begünstigt die Bildung von Kalziumoxalatsteinen.

Verminderte Ausscheidung kristallisationshemmender Substanzen

Kalzium und Oxalat können nur dann eine schwer lösliche, kristalline Verbindung miteinander bilden, wenn sie als freie Partner reagieren, wodurch Verbindungen enstehen, die Lösungen bilden. So kann z.B. Kalzium mit Zitronensäure im Harn eine Verbindung eingehen, die leicht löslich ist. Auch Oxalsäure kann z.B. mit Magnesium eine derartige leicht lösliche Verbindung bilden. Bestimmte hochmolekulare Stoffe im Harn können verhindern, das Kalziumoxalat kristalisiert. Daher ist es wichtig, dass diese Stoffe im Harn stets in ausreichenden Mengen vorkommen.

  • Zitronensäure, Magnesium und bestimme hochmolekulare Stoffe müssen in ausreichender Menge im Harn ausgeschieden werden, damit keine Kristallisation von Kalziumoxalat stattfindet.