Entfernung der Steine aus dem Körper

Erstbehandlung und Steinaustreibung

Bei der Behandlung eines Patienten mit einer Nierenkolik wird ein schmerzstillendes (analgetisches) und krampflösendes (spasmolytisches) Medikament direkt in die Blutbahn gespritzt, um die Schmerzen zu unterbinden. Ein derartiges Mittel wird auch in die Muskulatur gespritzt, um eine Wirkung über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. Ist der Patient beschwerdefrei und liegen keine Anzeichen für eine Entzündung vor, so kann er wieder nach Hause entlassen werden bzw. in häuslicher Pflege verbleiben. Wichtig ist die weitere regelmäßige Einnahme eines krampf- und schmerzlösenden Mittels (Spasmoanalgetikum) während der folgenden Tage. Die Einnahme sollte in Intervallen von vier bis sechs Stunden erfolgen, um mögliche Koliken zu unterdrücken. Bei Übelkeit können auch Zäpfchen eingeführt werden. Falls kein Arzt erreichbar ist, kann man zur Schmerzlinderung heiße Umschläge in der Nierengegend machen oder heiß baden.

Katheter
Legen eines Harnleiterkatheters und Einspritzen von Kontrastmittel.

Liegt zusätzlich zu einem Harnstein eine akute Entzündung vor, so ist fast immer die stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus zu empfehlen, da sich hieraus ein lebensbedrohlicher Zustand (die Sepsis) entwickeln kann. In diesem Fall besteht die Behandlung, neben der Gabe von Schmerzmitteln, in der Verabreichung von Antibiotika und der Gewährleistung des Harnabflusses. Eine derartige Harnableitung kann in der Einführung eines Katheters über die Harnröhre und die Blase in den Harnleiter bestehen, so dass der Harn durch den Katheter an dem Stein vorbeifließen kann. Meistens wird jedoch ein Katheter von außen durch die Haut, die Muskulatur, das die Niere umgebende Fettgewebe und durch die Niere in das Nierenbecken eingeführt. Hierzu ist nur eine örtliche Betäubung im Bereich der Einstichstelle notwendig. In manchen akuten Fällen ist es auch notwendig, den Stein operativ zu beseitigen. In seltenen Fällen ist es erforderlich, die Niere zu entfernen, wenn sie massiv vereitert ist.

Sind Lage und Größe des Steines sowie die hervorgerufene Harnstauung durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt, so kann man bei kleineren Steinen (6 mm und weniger) versuchen, diese auf normalem Wege auszutreiben. Dabei sollte der Patient jedoch ärztlich überwacht werden und bei Auftreten von Beschwerden, insbesondere Fieber, sofort den Arzt aufsuchen.

Nierenkatheter
Legen eines Nierenkatheters von außen durch die Haut.

Bei einer Steinaustreibung sind gewisse allgemeine Maßnahmen notwendig. So sollte eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den ganzen Tag verteilt erfolgen. So genannte Trinkstöße, d.h. das Trinken großer Mengen in kurzer Zeit, sind nicht empfehlenswert, da sie durch den Druckausstieg im Hohlsystem zu einer Kolik führen können. Dies kann sogar zu einem Einriss im Bereich der Niere führen. Entwässerungsmedikamente (Diuretika) sollten ebenfalls nicht eingenommen werden, da auch sie zu einem akuten Druckanstieg führen. Die Trinkmenge sollte etwa 2 bis 3 Liter betragen. Geeignet sind normales Leitungs- oder Quellwasser, Mineralwasser, Früchtetee und verdünnter Apfelsaft. Ein gewisses Maß an Bewegung ist ebenfalls empfehlenswert, Bettruhe braucht also nicht eingehalten zu werden.

Medikamente, die die Austreibung der Steine erleichtern sollen, sind schmerz- und krampflindernde Mittel (Spasmoanalgetika). Sie sollen Krämpfe der den Stein umgebenden Muskulatur und Schmerzen verhindern, die ihrerseits ebenfalls zu Verkrampfungen führen. Die längere Einnahme dieser Medikamente wird jedoch dadurch erschwert, dass sie Nebenwirkungen hervorrufen; sie beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit, können zu Mundtrockenheit, Sehstörungen, Müdigkeit sowie zu Magenbeschwerden führen. Geringere Nebenwirkungen sind bei pflanzlichen Präparaten zur Steinaustreibung zu verzeichnen. In einer umfangreichen Studie konnte nachgewiesen werden, dass diese pflanzlichen Medikamente genauso häufig wie die Spasmoanalgetika eine Steinaustreibung bewirken.

Wichtig ist, dass während der gesamten Zeit, in der eine Steinaustreibung angestrebt wird, der Harn beim Wasserlassen gesiebt wird. Der Harn darf also nur über ein Papiersieb bzw. ein spezielles Harnsieb (Zylosieb), das in Apotheken erhältlich ist, entleert werden. Nur so kann jeder Stein sicher abgefangen und anschließend untersucht werden.

  • Eine stärkere Kolik kann nur durch die intravenöse Verabreichung eines schmerz- und krampflösenden Mittels unterbrochen werden. Anschließend ist eine regelmäßige vierstündige Einnahme dieser Mittel in Form von Tabletten oder Einführen von Zäpfchen notwendig.
  • Der Versuch einer Steinaustreibung bei kleineren Steinen sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
  • Zur Steinaustreibung keine Trinkstöße oder Entwässerungsmitteln verwenden.
  • Der Harn muss während der Steinaustreibung ständig durch ein Sieb uriniert werden.