Beschwerden und erste Abklärung

Harnsteine können Beschwerden hervorrufen, die von kaum bemerkbaren Bauch- oder Rückenschmerzen bis zu den stärksten, wellenförmigen Schmerzen, den so genannten Koliken, gehen. Meist sind die Beschwerden um so stärker, je kleiner die Steine sind, da sie leichter zu einem plötzlichen Verschluss und zu einer Drucksteigerung im Hohlsystem führen könne. Je größer die Steine sind, desto uncharakteristischer sind die Beschwerden. Unklare Bauch- oder Rückenschmerzen werden häufig als Bandscheibenbeschwerden abgetan und das Gefühl, dass "in der Nierengegend etwas nicht stimmt" verleitet die wenigsten Patienten zum Arztbesuch.

Kolik
Ausstrahlung der Schmerzen bei einer Kolik li) Vorderansicht re) Rückenansicht, Vorderansicht

Abhängig von der Lage der Steine werden die Schmerzen an verschiedene Stellen des Körpers verspürt. Kleinere Steine in der Niere rufen Koliken im Bereich der Flanke hervor. Wenn sie in den Harnleiter eintreten, kommt es zur Ausstrahlung in den Unterbauch, beim Mann in den Hodensack, bei der Frau in Richtung der Schamlippen. Harnleitersteine in Blasennähe rufen Beschwerden beim Wasserlassen hervor, da ein stärkerer Blasenreiz vorhanden ist, und die Schmerzen strahlen beim Mann teilweise in das Glied aus. Bei der Kolik ist der Patent unruhig. Er verspürt häufig einen Brechreiz, und die Darmtätigkeit ist vermindert. Ähnliche Beschwerden wie bei Harnsteinen können manchmal durch gedrehte Eierstockzysten, Gallensteine oder Blinddarm- bzw. Eierstockentzündungen hervorgerufen werden, so dass immer ein Arzt zugezogen werden sollte. Bei Steinen ist der Harn oft durch Blutbeimengungen rötlich verfärbt. Mit einem Teststreifen oder im Mikroskop lassen sich meist rote Blutkörperchen nachweisen. Es kann jedoch auch vorkommen, dass bei einem kompletten Verschluss durch den Stein kein Blut im Harn vorliegt.

Entzündungssteine (Phosphate) verursachen meist einen trüben, eitrigen Harn. Gerade bei dieser Steinart ist der Krankheitsverlauf oft schleichend. So werden nur geringe Schmerzen in der Niere oder in der Rückengegend verspürt, die nicht besonders störend sein müssen. Oft ist aber die Schädigung der Niere schon sehr weit fortgeschritten und viel Gewebe zerstört. Deshalb sollte bei allen Rückenschmerzen eine zusätzliche Harnuntersuchung erfolgen. Oft werden Nierensteine rein zufällig durch eine Routineuntersuchung des Harns aufgedeckt. Auch bei unklarem Fieber, Gewichtsabnahme und Müdigkeit können Nierensteine mit einer schleichenden Entzündung vorliegen.

Bei Blasensteinen fällt den Patienten meist auf, dass sie bei schnellerem Gehen Schmerzen in der Blase verspüren bzw. anschließend beim Wasserlassen eine Blutbeimengung bemerken. Manchmal legt sich der Stein auch vor den Blasenausgang, so dass der Harnstrahl plötzlich unterbrochen wird.

Bei allen genannten Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden, der eine weitere Abklärung vornimmt. Neben einer genauen Befragung und einer körperlichen Untersuchung ist die Harnuntersuchung am wichtigsten. Hierfür gibt es heute Teststreifen, die in den Harn eingetaucht werden und mit denen der Säurewert des Harnes, rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Gallenfarbstoffe, Zucker, Eiweiß und Bakterien nachgewiesen werden können. Bei dem Nachweis von Bakterien ist es wichtig, die Anzahl der Keime zu erfahren. Anschließend muss der Erreger nachgewiesen und seine Empfindlichkeit auf Antibiotika getestet werden.

Ultraschallbild
Ultraschallbild der linken Nieren mit dem großen Stein (vgl. Röntgenbilder A und B), man erkennt gut die gestauten Kelche und den Stein mit dem Schallschatten.
Röntgenbild
Röntgenaufnahme A der Nieren, Nierenleerbild mit linksseitigem Stein.
Röntgenbild
Röntgenaufnahme B beider Nieren nach Gabe von Kontrastmittel (sog. Urogramm oder intravenöses Pylelogramm). Die rechte Niere zeigt ein unauffälliges Hohlsystem. Das Hohlsystem der linken Niere ist durch den Stein (vom Kontrastmittel überlagert) massiv gestaut.

Liegt zusätzlich der Verdacht einer Entzündung vor, so ist die Körpertemperatur zu messen; ferner wird Blut abgenommen zur Bestimmung der weißen Blutkörperchen und der Gerinnungsplättchen. Besonders bei Harnleitersteinen, die zu einem Verschluss führen, kann eine zusätzliche akute Entzündung durch Bakterien hinzukommen. Der gestaute Harn, der nicht abtransportiert werden kann, ist für viele Bakterien ein idealer Nährboden, in dem sie sich explosionsartig vermehren können. Schließlich gelangen sie von dort aus in Niere und Blutbahn. In diesem Fall folgen Schüttelfrost, hohes Fieber und letztlich ein Schock mit Abfall des Blutdrucks, Flimmern vor den Augen und totaler Schwäche. In diesem Zustand besteht höchste Lebensgefahr, da binnen kürzester Zeit der Tod eintreten kann, wenn der gestaute Harn nicht abgeleitet wird und keine Antibiotika verabreicht werden, die zur Vernichtung der Bakterien führen.
Auch wenn keine Entzündung auftritt, kann durch die Harnrückstauung bei einem Harnleiterstein, der den Abfluss im Harnleiter blockiert, eine schleichende Zerstörung der Niere eintreten. Starke Koliken werden oft nur am Anfang verspürt, wenn der Stein in den Harnleiter eintritt, anschließend bei ruhiger Lage des Steines sind die Beschwerden evtl. sehr gering.

Um die Lage der Steine im Harntrakt und die durch sie bedingten Veränderungen wie Stauung, Zerstörung des Nierengewebes und Entzündungen fest zu stellen, sind weitere Untersuchungen notwendig. Eine solche Methode ist die Ultraschalluntersuchung der Niere (die Sonographie). Hierbei werden nicht hörbare, jenseits des hörbaren Schalls gelegene Wellen erzeugt, die von Flüssigkeiten bzw. verschiedenen Geweben unterschiedlich zurückgeworfen und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden. Diese Ultraschalluntersuchung ist gut geeignet, um Stauungen und entzündliche Veränderungen nachzuweisen. Kleinere Steine können jedoch leicht übersehen werden, und oft ist die Sicht durch Darmgase besonders im Bereich des unteren Harnleiters gestört. Deshalb ist für eine genaue Untersuchung ein Nierenröntgen unerlässlich.

Hier bei wird zunächst eine Übersichtsaufnahme angefertigt und anschließend ein Kontrastmittel in eine Armvene gespritzt. Diese gelangt dann über die Blutbahn zur Niere und wird von ihr in das Hohlsystem ausgeschieden. Mit dieser Urographie genannten Methode lassen sich auch kleine Steine ab etwa 2 mm gut darstellen.

Ein gewisser Nachteil dieser Röntgenuntersuchung besteht darin, dass bei manchen Menschen eine Überempfindlichkeit gegenüber Jod vorliegt, das in den Kontrastmitteln enthalten ist. Hierdurch kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Blutdruckabfall kommen. Röntgenaufnahmen sollten schon wegen der Strahlenbelastung ohnehin selten durchgeführt werden, jedoch sind sie für die erste Diagnose eines Steinleidens unerlässlich.

Bei bereits vorhandener Schädigung der Niere kann die verbliebene Funktion durch so genannte Isotopenuntersuchung festgestellt werden. Hierbei werden radioaktiv markierte Substanzen gespritzt und deren Ausscheidung seitengetrennt über beide Nieren gemessen. Die Strahlenbelastung ist hierbei äußerst gering.

Harnsteine müssen nicht immer charakteristische Koliken hervorrufen

  • Auch bei unklaren Rücken- und Bauchschmerzen sollte der Harn untersucht werden.
  • Bei Auftreten von Nierenschmerzen und Fieber muss sofort der Arzt aufgesucht werden.
  • Zur genauen Untersuchung sind Ultraschall und Nierenröntgen unerlässlich.